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Grundlagen der Montessori Pädagogik: Der Innere Baumeister


Wie lernen Kinder? Über diese sehr moderne Frage hat Maria Montessori schon vor über 100 Jahren nachgedacht


Die Erkenntnis, dass das traditionelle Bildungssystem nicht immer die optimalen Antworten bietet, war ihr damals bewusst und ist auch heute noch relevant.


Die Schlüsselfrage lautet: Was lernen Kinder am besten, wann können sie etwas leichter erlernen und wie können sie es so verinnerlichen, dass es ihnen im späteren Leben von Nutzen ist? Die Antwort liegt laut Montessori in einer intrinsischen Motivation und der Möglichkeit, sich voll und ganz in die Arbeit vertiefen zu können. Wann genau dies geschieht, variiert von Kind zu Kind.


Montessori geht davon aus, dass jedes Kind von Geburt an einen inneren Baumeister besitzt, der seine Interessen, Bedürfnisse und Entwicklungen lenkt. Ähnlich den sensiblen Phasen im Kleinkindalter, in denen Kinder bestimmte Fähigkeiten besonders leicht erlernen, entwickeln Kinder im Schulalter spezifische Interessen für verschiedene Forschungsgebiete zu bestimmten Zeiten. Die Aufgabe der Erwachsenen, insbesondere der Pädagogen, besteht darin, diese zu erkennen und zu fördern.


Das Ziel der kindlichen Entwicklung ist es, einen "Neuen Menschen" zu formen, der über aktuelles Wissen verfügt und mit den Gepflogenheiten der Gesellschaft vertraut ist. Dieser Mensch soll darauf vorbereitet sein, die Zukunft der Gesellschaft und der gesamten Menschheit aktiv mitzugestalten.


„Was es aber kennenzulernen gilt, ist die Arbeit des Kindes. Arbeitet ein Kind, es tut es dies nicht, um ein äußeres Ziel zu erreichen. Sein Ziel ist das Arbeiten, und wenn es bei der Wiederholung einer Übung seiner eigenen Tätigkeit ein Ende setzt, so hat das Ende nichts mit den äußeren Handlungen zu tun. Das Abbrechen der Arbeit steht als Individualreaktion in keiner Verbindung mit etwaiger Müdigkeit; denn es ist gerade eine Eigenheit des Kindes, dass es erfrischt und energiegefüllt von seiner Arbeit aufsteht. Damit ist auf einen der Unterschiede hingewiesen, wodurch sich beim Kind und beim Erwachsenen die natürlichen Gesetze der Arbeit voneinander abheben: das Kind folgt nicht dem Gesetz des geringsten Kraftaufwandes, sondern eher einem gegenteiligen Gesetz; […] Ziele und äußere Handlung sind in allen Fällen nur Dinge von zufälliger Bedeutung. Diese Beziehung zwischen Umwelt und innerer Vervollkommnung ist äußerst eindrucksvoll und an ihr bildet sich […] das geistige Leben.“

Maria Montessori in Kinder sind anders, Klett-Cotta, 2020, S. 272 f


Maria Montessori betont, dass es wichtig ist, die Arbeit des Kindes zu verstehen. Ein Kind arbeitet nicht, um ein äußeres Ziel zu erreichen; seine Arbeit selbst ist das Ziel. Die Art und Weise, wie Kinder arbeiten, unterscheidet sich grundlegend von Erwachsenen. Kinder folgen nicht dem Prinzip des geringsten Kraftaufwandes; ihre Motivation entspringt eher einem gegenläufigen Gesetz. Das Ende ihrer Arbeit hängt nicht mit äußeren Handlungen zusammen, sondern ist eine individuelle Reaktion des Kindes.


In der Schule bedeutet dies, dass für Kinder die eigentliche Absicht hinter einer Tätigkeit das Tun selbst ist, nicht unbedingt das Ziel, das sie damit erreichen. Kinder lernen nicht, um des Lernens willen oder weil es im Lehrplan steht, sondern aus Interesse und Fähigkeit. Pädagogen sollten Ziele im Auge behalten, aber Kinder nicht zu Tätigkeiten zwingen, die sie nicht interessieren. Bedauerlicherweise verlieren viele Kinder bereits im Alter von sechs Jahren die Fähigkeit, auf ihren inneren Baumeister zu hören, da sie durch den Kindergarten oder andere Einflüsse lernen, dass Lernen auf eine bestimmte Art und Weise erfolgen muss und als anstrengend, kompliziert und schwierig empfunden wird.


Im Gegensatz dazu ist der Ansatz von Maria Montessori kreativ und freudvoll. Pädagogen müssen manchmal Überzeugungskraft einsetzen, damit Kinder neue Dinge ausprobieren und sich trauen. Es gilt, zwischen Desinteresse (das eigentlich nicht existiert) und Vermeidungsstrategien oder der Angst vor dem Nicht-Können zu unterscheiden. Letztendlich können Pädagogen und Eltern darauf vertrauen, dass Kinder, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, sich selbst aufbauen und bestens entwickeln werden.

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